Jahresbericht 2018:

Vorwort

Vorwort
© Kim Krijnen

2018 war ein wichtiges Gedenkjahr für die Deutschen. Gleich drei Jubiläen bewegten das Land: der 200. Geburtstag von Karl Marx, die Novemberrevolution von 1918 und die 68er-Proteste, die sich zum 50. Mal jährten. Mit dem Erinnern an die historischen Ereignisse gingen vielerorts neue Diskussionen über gesellschaftliche Veränderungen und soziale Gerechtigkeit einher. Das Duitsland Instituut Amsterdam (DIA) trug mit Veranstaltungen zu einer differenzierten, öffentlichen Debatte bei.

Der besonderen Bedeutung der 68er-Bewegung und der Novemberrevolution von 1918 widmeten wir im November das Themenfestival '18-68-18. Sociale bewegingen toen en nu'. Mit Referenten aus den Niederlanden und Deutschland schauten wir zurück auf die Ereignisse in beiden Ländern, aber auch voraus auf die sozialen Bewegungen der Gegenwart. Als Ehrengast durften wir Robert Habeck, den Vorsitzenden der Grünen-Partei und Autor des Theaterstücks 'Neunzehnachtzehn', begrüßen.

Den 200. Geburtstag Karl Marx' sowie das "Marx-Revival" in Deutschland und anderen Ländern thematisierten wir in einer Gesprächsreihe in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Niederlande, dem Internationalen Institut für Sozialgeschichte und der Genootschap Nederland Duitsland. Unsere DAAD-Fachlektorin Christina Morina präsentierte ihr Buch 'Die Erfindung des Marxismus' und erläuterte im Gespräch mit Kulturphilosoph Maarten Doorman, wie sich aus den Ideen des großen Denkers der Marxismus entwickelte und sich in ganz Europa verbreitete. 

Mit diesen und anderen Veranstaltungen konnten wir ein breites Publikum erreichen und relevantes Deutschland-Wissen vermitteln. Darüber hinaus informierten wir über Nachrichten aus dem Nachbarland und deuteten aktuelle Entwicklungen für die niederländischen Medien. Von Merkel IV und der mühsamen Koalitionsbildung bis hin zum aufsehenerregenden NSU-Prozess und den rechten Ausschreitungen in Chemnitz: die Anfragen nach Hintergrundinformationen und Analysen waren zahlreich – und unsere Deutschland-Experten gefragte Gäste in Funk und Fernsehen. 

Doch nicht nur die Wissensvermittlung, auch der Einsatz für eine stärkere Position der deutschen Sprache ist und bleibt ein wichtiger Pfeiler unserer Arbeit. Das Schulfach Deutsch steht in den Niederlanden aufgrund von Lehrermangel und geplanten Reformen in den Schulcurricula unter Druck. Gleichzeitig belegte unsere aktuelle Studie zum Schulfach Deutsch (niederl. Belevingsonderzoek), dass niederländische Schüler wenig über Deutschland wissen und im Unterricht kaum Deutsch sprechen. Die Ergebnisse der Studie präsentierten wir, gemeinsam mit didaktischen und politischen Empfehlungen, im Januar 2018. Auch weiterhin werden wir uns dafür einsetzen, dass die deutsche Sprache den Status erhält, den sie verdient. Für das gegenseitige Verständnis und die politischen, kulturellen und ökonomischen Beziehungen mit Deutschland ist sie ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Abschließend sei gesagt, dass auch persönliche Erfahrungen jenseits der Landesgrenze für die Zukunft der Beziehungen essentiell sind. Darum freuen wir uns sehr über die Tatsache, dass wir im Jahr 2018 fast sechzig junge Menschen mit dem DIA-Stipendium bei ihrem Studien- und Forschungsaufenthalt in Deutschland unterstützen konnten.      

Ton Nijhuis
Direktor


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